… letzter Eintrag auf meinem Blog zum Thema „südliches Afrika“:
Warum dieser Blog?
Afrika / Thema Entwicklungshilfe
Deutschland – Mosambik – Deutschland
(1) Warum ich mich entschlossen habe, diesen Blog ins Internet zu stellen und dem geneigten Leser die Möglichekit zu geben mich bei meinen Erfahrungen und Erlebnissen im südlichen Afrika (ich war größtenteils in Mosambik und ein bisschen länger als einen Monat in Südafrika) zu begleiten, liegt daran, dass ich für mein „Projekt“ Zivilersatzdienst werben musste, um auch Spenden zu akquirieren. Jedoch natürlich auch deswegen, um über die Zustände auf der anderen Seite, die für mich mittlerweile so fern scheint, aufzuklären bzw. meine Sicht der Dinge darzustellen. Auch um das Bild von „Afrika“ ein bisschen von einer anderen Perspektive aufzuzeigen.
Bankenmetropole Deutschlands – größte Wolkenkratzer Europas
(2) Es ist nicht der dunkle Kontinent, auf dem alle Menschen in einer Wellblechhütte hausen. Es ist auch nicht der Kontinent, der perspektivlos scheint. Aber ich denke, ich habe hier genügend Bilder und Texte geliefert, um Euch das nahe zu bringen. Es gibt viele Missstände, aber die müssen die Menschen selbst klären, ohne, dass die teilweise heuchlerische Entwicklungshilfe (bei der man nicht vergessen darf, dass sie auch den geopolitischen und ökonomischen Interessen der BRD dient und nicht nur gemacht wird, da man ein paar Euro zu viel hat und den Menschen etwas „Gutes“ tun will) als Gegenleistung zur Verbesserung der Infrastruktur Rohstoffe usw. fordert. Die Menschen kommen auch gut selbst klar, sie haben leider nur nicht die Möglichkeiten wie wir in unserer Parallelwelt in Europa, da die meisten afrikanischen Staaten jahrelang von Krieg und zusätzlich dann noch von Epidemien geprägt sind. Diese Sozialsysteme, diesen Reichtum findet man nur selten auf der Welt. Seid stolz darauf, dass Ihr hier aufgewachsen seid oder besser gesagt, dass ihr das Glück hattet!
Aber wer sich mit diesem Thema auseinander setzen will und seine eigenen Erfahrungen machen möchte, dem kann ich so ein Jahr nur empfehlen; am Besten bei einer Organisation, die ein Spendensiegel inne hat. Ich verteufle nicht grundlegend das Engagement von Nichtregierungsorganisationen/Non-Profit-Organisationen (NGOs/NPOs). Ich bewundere es, aber viele NGOs geben vor eine weiße Weste zu haben (unicef z.B.), was dann aber leider nicht der Fall ist. Klar muss man haushalten, aber wenn sich dann manche Menschen zu viel einstecken und mit den Spendengeldern umgehen als wäre es ihr eigenes Geld …
Es ist alles da – was willst Du mehr ?!
(3) Zwei mal Deutschland, einmal Mosambik – ja, warum? Seitdem ich in Mosambik war, fällt mir glaube ich auf wie gut es uns in Deutschland/Europa geht, aber wir immer noch Bedürfnisse haben, die uns durch die Massenmedien eingeredet werden. Konsum, Konsum, Konsum, Konsum … !!!
Neues iPhone 4S oder Samsung Galaxy II – oder Blackberry? Sony?! Was zur Hölle … ?! Vielleicht bin ich altmodisch oder übertreibe mit meiner Einstellung, dass Smartphones das leben nicht einfacher, sondern noch komplizierter machen. Ich sehe es am Beispiel aus meinem Bekanntenkreis: die Leute sind nicht mehr ansprechbar, sie sind eher mit ihren Apps und Facebook beschäftigt als, dass sie sich unterhalten. Extrembeispiel: S- und U-Bahn fahren, wenn jeder Zweite auf sein Ding starrt und man an einem plötzlich auftretenden Lächeln doch erkennt, dass das Telefon nicht ihn kontrolliert, sondern er das Ding noch irgendwie unter Kontrolle hat und noch nicht eins mit der Maschine geworden ist. Wer weiß, vielleicht lauf ich morgen am nächsten Handy-Laden vorbei und lass mir auch so ein Ding aufschwatzen. Die Leute denken, sie wären sich näher durch so ein Ding, aber entfernen sich nur noch mehr voneinander, weil man „es ihm ja in Facebook schon geschrieben hat“, da müsste man dann nicht anrufen oder einfach mal vorbei kommen … – das ist traurig und ziemlich arm.
Dieser Blog-Artikel ist hiermit eigentlich schon zu Ende. Ich wollte nochmals resümieren und meine Erfahrungen kurz schildern, seitdem ich wieder hier bin und möchte letzen Endes noch auf dieses Video verweisen (indem es um die Euro-Krise, gesellschaftskritisches Denken und Handeln etc. geht) und danke nochmals allen, die mich auf meinem Weg unterstützt haben, egal ob finanziell oder durch ermunternde Worte, sowie die sich für diesen Blog interessiert haben.
Nach über elf Monaten, die ich größtenteils in Mosambik verbracht habe, kann ich mittlerweile einen Schlussstrich ziehen unter dem, was ich hier erlebt habe. Nur noch wenige Wochen und ich werde wieder in meine, alte Heimat nach Deutschland zurückkehren.
Maputo, Jardim Tunduro
Dieses Mal will ich den Text gliedern; auch aus dem Grund, um ihn einfacher lesen zu können als die sonstigen, aneinandergereihten Sätze, die ich strukturlos bislang hier immer dem interessierten Leser nahegelegt habe. Vielleicht könnte man es auch als FAQ (Frequently Asked Questions) bezeichnen. Hier nun die häufigsten Fragen, die mir gestellt worden sind bezüglich meines Zivilersatzdienstes:
1. „Warum ausgerechnet Afrika, Mosambik?“ 2. „Wie kommt man dort zu recht?“ 3. „Wie ist das Leben in Mosambik?“ 4. „Was machst du da genau? 5. „Was bringt dir das?
(1) „Warum ausgerechnet Afrika, Mosambik?“
Ja, warum Mosambik? Vor ein paar Jahren sah ich im Fernsehen eine Alternative zum Zivildienst, es nannte sich das weltwärts-Programm der Bundesregierung, das es Deutschen ermöglichte im Ausland einen Freiwilligendienst abzuleisten. Man würde bei den Unkosten unterstützt werden, die entstünden, jedoch in dieser Zeit den Dienst unentgeltlich leisten. Da ich gelegentlich Post vom Kreiswehrersatzamt bekam, musste ich mir überlegen was ich nach meinem Schulabschluss machen würde.
Ich bewarb mich bei terre des hommes und wurde an den sfd-Kassel weitergeleitet, da terre des hommes keine direkte Entsendeorganisation ist und ich somit eine Organisation brauchte, die den Zivildienst bescheinigt, sowie die pädagogische Betreuung, sämtliche Seminare etc. vorbereitet.
So wird mosambikanisches Bier hergestellt – TonTon
Mein Ziel war Afrika. Mein Wunsch ein französisch-/englisch-sprachiges Land. Terre des hommes ist in Afrika in der West-Sahara, sowie im südlichen Afrika „stationiert“, hat also hier Regional-Büros. Das, des südlichen Afrikas, befindet sich in Maputo, Mosambik, ehemals eine portugiesische Kolonie, jedoch seit 1975 unabhängig. Mir wurde dieses Büro empfohlen, ich ergriff meine Chance und Anfang 2010 bekam ich meine Zusage, noch mitten im Abitur-Stress.
(1) „Wie kommt man dort zu recht?“
Wenn man Portugiesisch spricht, sehr gut. Da das bei mir in den ersten Monaten definitiv nicht der Fall war (da ich mich die letzten Monate vor der Ausreise mit dem Lernen fürs Abitur beschäftigt hatte, sowie arbeiten ging, um mir Dinge, wie den Flug leisten zu können), tat ich mir anfangs sehr schwer, auch mit dem Sozialisieren.
Einerseits war ich „integriert“ in die mosambikanische Gesellschaft durch die Arbeit mit größtenteils Mosambikanern im Büro, sowie meiner Unterkunft bei einer mosambikanischen Familie. Andererseits sprach in diesem Feld so gut wie jeder Englisch. Warum Portugiesisch reden, wenn sie Englisch sprechen? Diese arrogante Herangehensweise, machte mir es schwer tiefer in die Gesellschaft einzudringen, auch wenn hier in Maputo mehr Menschen Englisch sprechen als in den restlichen Provinzen Mosambiks. Um also an die Menschen heranzukommen, damit die Schranken sprichwörtlich fallen, muss man ihre Muttersprache sprechen.
Jedoch muss man dann letztendlich sagen, dass selbst wenn man Portugiesisch spricht, trotzdem immer noch nicht mit offenen Armen von den Einheimischen empfangen wird. Die Lokalsprache in Maputo ist Shangaan, eine von vielen Sprachen des südlichen Afrikas aus der Zulu-Familie. Was ich damit sagen will, ist, dass die Leute es kaum fassen können, wenn man ein paar Phrasen heraus haut und sehen, dass ein Fremder sich so mit ihrer Kultur beschäftigt. „Amaka muni?“, zu dt.: „Was ist los?“ – auf ein Mal glänzen die Augen meines Gegenübers und derjenige möchte wissen, wo ich diese Worte gelernt habe.
Eine der am häufigsten gestellten Fragen war, wie ich das ganze hier finanziere: ich bekam ein Taschengeld von terre des hommes, sowie Spenden, die ich über den sfd-Kassel akquirieren konnte, wurde unterstützt von Familien und Freunden, sowie ging vor meiner Ausreise arbeiten und konnte somit ein wenig Geld sparen. Da ich noch keine 25 Jahre alt bin und mich sozusagen in der „Ausbildung“ befinde, habe ich zudem immer noch Anspruch auf staatliche Unterstützung, also dem Kindergeld.
Summa summarum kommt man hier mit dem Gehalt eines Hartz-IV-Empfängers gut zurecht. Wenn man bedenkt, dass man sich in der Innenstadt von Maputo eine Wohnung oder ein Haus kaufen kann, die sich im fünfstelligen Euro-Bereich aufhalten, kann man sich ungefähr ausrechnen, was die Mieten kosten.
Hier eine kurze Auflistung von alltäglichen Dingen bei einem Wechselkurs von
1 Euro, der min. 38 / max. 53 Meticais entspricht (Kurs schwankt sehr stark):
1 Baguette (es gibt hier kein Schwarz-Brot) / eine Orange/eine Handvoll Pistazien/Peperoni - 5 Meticais*
1 Fahrt mit dem Mini-Bus („Chapa“) - 5-7,5 Meticais
1 Liter Wasser - 20-30 Meticais*
1 kg Zwiebeln - 20 Meticais*
1 kg Tomaten - 20 Meticais*
1 kg Bananen - 20-25 Meticais*
1 kg Äpfel** - 60-90 Meticais*
1 Packung Erdbeeren ** - 100 Meticais
10 min Telefonieren auf dem Mobil-Telefon innerhalb MOZ - 50 Meticais*
1 Mittagessen (z.B. Omelette mit Pommes und Salat) - ~ 100 Meticais *
1 Liter Bier - 30-80 Meticais*
1 Soft-Drink - 15-50 Meticais*
1 Liter Frucht-Saft - 50-90 Meticais*
1 kg Fisch/Shrimps - 100-200 Metcais*
* Die Preise schwanken je nachdem, ob man sich in touristischen Vierteln aufhält oder weiter außerhalb Maputos.
** Importiert, meist aus Südafrika
Alle Dinge, die ich gerade eben aufgezählt habe (außer der Busfahrt), kosten im Normalfall – d.h. wenn der Metical nicht so stark ist wie momentan – nicht mehr als zwei Euro. Das heißt, wenn man hier beispielsweise in einer Wohngemeinschaft wohnt oder selbst alleine, kann man mit Hartz-IV ein akzeptables, menschenwürdiges Leben führen. Das mag sich unvorstellbar anhören, aber das ist eine Tatsache. Vom Zentrum der Stadt mit dem Auto ungefähr 5 Minuten in die entfernteren Bairros (Stadtviertel), bekommt man Wohnungen für 60 Euro im Monat. Zwei- bis drei Zimmerwohnungen nahezu im Zentrum um die 300-600 Euro.
Was für uns sehr günstig wirkt ist für viele Mosambikaner jedoch unbezahlbar bei einem Lohn, der sich im Durchschnitt bei 1000-3000 Meticais bewegt (also ca. 20-60 Euro im Monat). Die Inflation stieg von 2010 bis 2011 auf sage und schreibe 14 Prozent! Dass die Leute somit, die fast nichts haben, außer ihrer Arbeitskraft mit den bloßen Händen, revoltieren und wenige Tage bevor ich einreiste eine Revolte mit acht bis elf Toten anzettelten, ist dabei nicht unbedingt verwunderlich. Die Weltmarktpreise für Reis, Weizen etc. stiegen unaufhörlich in den letzten Monaten und am härtesten betrifft das dann natürlich Länder wie z.B. Mosambik, die so gut wie alles importieren, selbst Milch und Toastbrot, da schlechte Infrastruktur, Korruption und anderen Gründen wie dem Unabhängigkeitskrieg und dem Bürgerkrieg, die das Land für so viele Jahre ins Abseits des öffentlichen Bewusstseins gebracht hat.
(3) „Wie ist das Leben in Mosambik?“
In einem Bairro (Vorort) von Maputo
Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte, deswegen kann ich hier nur von meinen Eindrücken schildern und bitte Euch auf der rechten Seite im Menü auf „Bilder“ zu klicken und sich in den Galerien anzuschauen.
Mir ist hier vor Allem aufgefallen, dass der Zusammenhalt in der Familie größer ist als in Deutschland. Warum?
Dafür gibt es diverse Gründe, aber Fakt ist, dass es so gut wie kein Sozialsystem gibt. Man kann sich bescheinigen lassen, dass man offiziell als arm gilt und somit werden beispielsweise die Kosten für die Schulausbildung der Kinder erstattet. Welche Regularien es dabei gibt, weiß ich nicht genau, aber diese Bestätigung, dass man als arm gilt, bekommt definitiv nicht jeder.
Somit ist das Sozialsystem die Familie. Egal ob man der Sohn oder die Tochter ist, die gerade erst 20 Jahre alt ist und bei der Bank anfängt zu arbeiten – man ist derjenige, der das Geld nach Hause bringt und die Familie ernähren muss. Deswegen bleiben die Töchter und Söhne, auch wenn sie schon 28 oder 35 Jahre alt sind noch sehr lange zu Hause leben, um im Haushalt zu helfen oder auch finanziell der Familie unter die Arme zu greifen. Wer sich dem entziehen will, heiratet. Ganz einfach. Erst wenn man verheiratet ist, ist es legitim von zu Hause auszuziehen und sich den Regeln der Eltern zu entziehen. Solange man innerhalb deren vier Wände wohnt, hat man zu gehorchen.
Ein Krankenhaus-Besuch kostet angeblich nicht mehr als 5 Meticais, aber das ist wahrscheinlich noch ein Relikt aus sozialistischen Tagen, das man am liebsten zurückhaben möchte. Ein Besuch beim Doktor in der Klinik kostet 350 Meticais, also ungefähr acht Euro, im Zentral-Krankenhaus das Doppelte oder Dreifache. D.h. wenn man mal eine etwas heftigere Grippe hat, ist schon mal mit Medikamenten und sonstigem zusätzlichen Dingen, die man für die Genesung braucht , locker ein guter Monatslohn weg.
Die Schulbildung wird bis zur sechsten Klasse gewährleistet, ab der siebenten müssen Bücher selbst bezahlt werden. Manche Bücher kosten bis zu zwanzig Euro, was auch wiederum dem Monatslohn eines durchschnittlichen Mosambikaners gleichzusetzen wäre. Warum der Staat hier nicht eingreift und seine Bevölkerung unterstützt ist für mich unverständlich, ich verweise nochmal auf den WIKILEAKS-Bericht über die mosambikanische Regierung, der am Anfang dieses Jahres veröffentlich wurde.
Man kann sich so gut wie alles auf der Straße besorgen, auch wenn es offiziell als illegal gilt Stände auf der Straße zu haben, so kann die Polizei dort den Handel kaum unterbinden. Von gebrauchten Jeans, Schuhen bis hin zu Trainings-Anzügen von einem Sportverein aus der bayerischen Provinz in den typischen grellen gelb- und pink-Farbtönen der achtziger Jahre. Deutschsprachige Bücher, die Ende der achtziger Jahre in der DDR gedruckt wurden vom „Graphischen Großbetrieb Völkerfreundschaft Berlin“, findet man ebenso. Das kann dann das Manifest der Kommunistischen Partei sein oder ein Deutsch-Portugiesisch-Wörterbuch.
Mathe – überall gleich
Wie viel Deutschland mit Mosambik verbindet, wissen womöglich nur die Deutschen, die ehemals in der DDR gelebt haben. Es gab tausende Mosambikaner, die in der DDR studiert oder gearbeitet hatten. Das beste Beispiel ist ein Mosambikaner, der in meiner Straße wohnt und meine Stofftasche unbedingt haben will, weil auf dieser etwas in deutscher Sprache steht. Er begrüßt mich so gut wie jeden Morgen mit „Na, wie geht’s?“ und er wird ganz nostalgisch, wenn er über die alte Zeit redet. Solche Mosambikaner werden „Madgermanys“ genannt. Der alte Präsident Samora Machel sorgte bei Erich Honecker dafür, dass dieser Austausch stattfand. Noch heute findet jeden Mittwoch gegen zehn Uhr eine Demonstration in Maputo statt, wo dutzende Leute mit einer Polizei-Eskorte durch die Stadt begleitet werden, während die Ex-DDRler für ihre Rente kämpfen, die sie vom mosambikanischen Staat aus der Zeit in der Deutschland immer noch fordern. Sagen wir sie bekamen 1200 Ostmark pro Monat Lohn, so mussten sie davon 800 in die Heimat schicken und den Rest konnten sie für sich behalten. Das Geld kam nicht wie gedacht zu den Familien der „Madgermanys“, sondern der Staat steckte es sich in die Tasche. Bis heute. Für manche ist das die Einzige Aufgabe, die sie haben, nämlich ihren Lohn zurückzubekommen.
Lieblingssportarten sind Fußball und Basketball. Eine der berühmtesten, mosambikanischen Fußballer ist Eusebio, der vor Jahrzehnten für die portugiesische Nationalmannschaft spielte. Futsal, also temporeicher Straßenfußball ist hier sehr beliebt. Ich hoffe ich werde noch ein paar Bilder oder ein Video hochstellen können. Man kann sich nicht vorstellen, wie einzigartig die Atmosphäre ist, während man auf einem Platz mit Menschen steht, deren Hautfarbe, Nationalität, Status keine Rolle spielen und alles was nur zählt, die Kunst ist, wie man mit dem Ball umgeht. Das macht Sport so einzigartig. Lateinamerikanische Salsa-Musik im Restaurant nebenan machen den Ort zu etwas Magischem. Ich hoffe ich kann demnächst hier noch ein Video davon hochladen.
Mein Leben hat sich hier größtenteils in der Innenstadt abgespielt. Dort ist das Leben nicht viel anders als in Großstädten in Deutschland, außer, dass hier ein gewisser süd-amerikanischer Flair zu spüren ist, den Mosambik so einzigartig macht und mich teilweise so fühlen lässt als wäre ich in nicht mehr in Afrika, sondern in Brasilien oder sonst wo in Latein-Amerika. In den äußeren Stadtvierteln, die einfach nur Bairros genannt werden, wohnen jedoch die meisten Mosambikaner und man fühlt sich als würde man zwischen zwei Welten leben, wenn man vom Zentrum fünf Minuten in außerhalb, gelegene Bairros fährt. Dort sieht man die aus Dokumentationen bekannten Wellblechhütten. Fließendes Wasser – Fehlanzeige.
Ich behaupte, dass jeder, der sich zu den reichsten zehn Prozent zählt, die gleichzeitig die Mittel-/Ober-Schicht sind, hat mindestens eine Hausangestellte und ein Auto. Es gibt eigentlich keinen typischen Mittelstand wie in Deutschland. Zehn Prozent reich, 90 Prozent arm. Diese Hausangestellten tun all die Dinge, wie Kochen, Waschen, Putzen und andere Dinge für die der privilegiertere Mosambikaner, der die-/denjenigen bezahlt, sich zu schade ist. Wenn man diese gerecht entlohnen würde und zu guter Letzt auch noch respektabel behandeln würde, würde ich dagegen absolut nichts sagen, da man so Leuten, die aus vielerlei Gründen nicht die erforderliche Bildung für eine bessere Arbeit haben, die Möglichkeit gibt sich über Wasser zu halten. Dass man auf Feiern jedoch mit ansehen muss, dass der Hausangestellte, der z.B. das Hähnchen grillt, davon zunächst nichts abbekommt, bis die Party fast zu Ende ist und nicht mal im Traum daran denken darf sich zu bedienen oder sich an den gleichen Tisch zu setzen, wie die Gäste, ist undenkbar und unter aller Sau.
Wächter vor einer Bank – die Schrotflinte ist bereit.
Das sind für mich die Sklaven des 21. Jahrhundert. Proletarier im wahrsten Sinne des Wortes, die nichts haben außer ihrer Arbeitskraft. Dass man sich diesen respektvoll verhält und keinen Unterschied macht, nur weil man materiell und finanziell ihnen womöglich überlegen ist, verstehen hier die Wenigsten. Das stimmt mich traurig. Das zeigt mir, dass diese patriarchalische Gesellschaft, die von sich behauptet eine Demokratie zu sein, zutiefst monarchische Züge trägt, von Korruption und inkompetenten Politikern gebeutelt ist. Diese Situation wird sich nicht ändern, wenn die Leute nicht wieder revoltieren, wie zu Anfangs, als ich meinen Zivilersatzdienst hier antrat.
Da kein Geld in Bildung investiert wird und lieber der Präsident mit dem Hubschrauber seine Reisen antritt, die er auch mit dem Auto zurücklegen könnte, seinen Abgeordneten Autos spendet, damit sie ja nicht ihr Maul aufmachen, gemeinsame Sachen mit einem der größten Drogen-Bosse Afrikas macht – das ist krank und lässt einen pessimistisch stimmen. Dass unsere Regierung in Deutschland Panzer an Saudi-Arabien verkauft und gleichzeitig der „hinterherhinkenden“, arabischen Welt den Zeigefinger erhebt, wenn es um Demokratie und Meinungsfreiheit geht, ist mit Sicherheit genauso heuchlerisch. Deutschland ist kein Deut besser, v.a. wenn unsere Kanzlerin dem angolanischen Staat das Recht einräumt, dass jeder seine Grenzen verteidigen dürfte, wenn der Präsident dort seit Jahrzehnten regiert und der Bevölkerung nicht mal eine Schulausbildung bieten kann. Ein Brot kostet zehn Dollar, eine Fahrt in der Stadt genauso und ein gescheites Mittagessen 50 Dollar. Das ist alles nicht mehr normal und mitten in Afrika ist das die reichste Stadt der Welt.
Polizisten verdienen in Mosambik mehr durch Korruption als durch ihr Gehalt, rechnen schon damit, dass man ihnen nach der Kontrolle des Reisepasses etwas zusteckt und dann wie ein beleidigtes Baby, das seinen Lutscher nicht zurückbekommt, geknickt von dannen gehen, was etwas absurd wirkt mit der (geladenen?) AK-47, die sie locker-flockig um ihre Schulter hängen haben.
Die ehemalige Einheitspartei, die seit mehr als 30 Jahren regiert.
Damit werde ich hier niemals zurecht kommen und man muss leider hinnehmen, dass man – ob man möchte oder nicht – aufgrund der Hautfarbe oder anderen Dingen wie der Kleidung automatisch als privilegiert abgestempelt wird – dagegen nichts tun kann, außer seine Meinung kundzutun. Dieses System gefällt mir nicht, aber ich bin als Ausländer nur in der Position des Beobachters und kann meine Meinung kundtun. Die Menschen müssen selbst begreifen, dass sie es sind, die die Dinge hier verändern können. Nicht jemand, der aus dem Westen stammt und mit gehobenem Finger sagen will wo es lang gehen soll, weil er sich für einen aufgeklärten Menschen hält. Diese Position, die ich hier vertrete, würde ich auch generell der sogenannten Entwicklungspolitik raten, die es sich nicht erlauben kann den Dritt-Welt- und Schwellenländern nach den Jahrzehnten und Jahrhunderten des Kolonialismus und der Unterdrückung, zu sagen, was sie zu tun und zu lassen haben. Man kann beratend tätig werden, aber umsetzen müssen es die Leute vor Ort selbst. Ich möchte meiner Organisation terre des hommes (tdh) nicht Honig ums Maul schmieren, aber das Konzept des quasi autarken Partners, der von tdh lediglich finanziell und beratend unterstützt wird, finde ich vorbildhaft.
(4)„Was machst du da genau?
Um es kurz zu machen: Büroarbeit. Nein, ich war nicht in einem „typischen“ Afrika-Projekte und habe dabei geholfen Häuser zu bauen oder was man sich vorstellt, wenn man von diesem veralteten Begriff des Entwicklungshelfers (siehe in diesem Artikel meine Meinung zu diesem Begriff)spricht. Er ist zutiefst arrogant und ich kenne persönlich niemanden, der so etwas macht. Das mag es womöglich geben, aber die Arbeit, die hier deutsche Nicht-Regierungsorganisationen oder die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (giz) macht, besteht größtenteils darin mit lokalen Partnern zusammen zu arbeiten. Beispielsweise gab es in Mosambik dieses Jahr ungefähr 30 deutsche Freiwillige, von denen die Meisten ihr Abitur im vergangenen Jahr absolviert haben. Diese konnten am staatlich-unterstützten weltwärts-Programm teilnehmen, das es ihnen ermöglicht hat ohne Kostenaufwand hierher zu fliegen, eine Unterkunft in einem Durchschnittshaushalt zu bekommen und zwölf Monate so gut wie unentgeltlich zu arbeiten. Sie waren Lehrer für Kinder im Grundschulalter, in der HIV/AIDS-Aufklärung tätig oder beschäftigten sich mit anderen Themen mit denen sich die Partner-Organisationen beschäftigten, die größtenteils von der gtz, ded und inwent unterstützt wurden (die drei Organisationen haben fusioniert und die neue Organisation heißt giz).
Bei mir und meinem Kollegen, der von der giz war, war die Arbeit ein wenig anders im Vergleich zur Arbeit der Meisten dieser Freiwilligen. Beispielsweise haben wir diese typische Freiwilligen-Arbeit einen Monat lang in einem Partnerprojekt machen dürfen (siehe Text im Dezember 2011). Da meine Entsendeorganisation kein Teil des staatlich-finanzierten weltwärts-Programm (mehr) ist, war ich auf Spenden, Ersparnisse und vorheriges Arbeiten angewiesen, um mein Vorhaben zu realisieren.
terre des hommes ist eine Nicht-Regierungs-/Non-Profit-Organisation. Es ist ein
entwicklungspolitisches Kinderhilfswerk, das es sich zur Aufgabe gemacht hat „Kindern in Not zu helfen“. Während des Vietnam-Krieges wurden Kinder adoptiert, die von deutschen Familien aufgenommen wurden (z.B. Philip Rösler).
Da das Adoptieren nicht des Rätsels Lösung war, musste man in den Ländern aktiv werden, um das Leben für die Menschen menschlicher zu machen. Aus dem Französischen übersetzt bedeutet der Name der Organisation die „Erde der Menschlichkeit“. Man arbeitet mit lokalen Partnern. Diese müssen zuvor registriert sein und vorzeigen, dass sie ohne Profitmaximierung arbeiten. Wenn dies konform geht mit den Wertevorstellungen terre des hommes und man das Projekt als unterstützungswert ansieht, wird es von einem Antragsteller zu einem Partner, der fast komplett eigenständig handelt. Terre des hommes unterstützt bei der Partner-Organisation bei Problemen, Fragen und finanziert es (es gibt natürlich auch Partner, die mehr als einen Spender haben und somit finanziell nicht nur von tdh abhängig sind).
Durch regelmäßige Besuche wird überprüft, ob die Arbeit in den Projekten läuft. Hier im südlichen Afrika, gibt es derzeit drei Länderbüros: eins in Simbabwe, das außerdem noch für Sambia zuständig ist, ein anderes in Südafrika (Johannesburg) das außer den nationalen Projekten desweiteren für Partner-Projekte in Angola und Namibia zuständig ist, sowie das Koordinationsbüro des südlichen Afrikas in Mosambik, Maputo.
Meine Arbeit bestand aus der Anfertigung einer Bibliothek, dem Design der Internetseite, die bald online gestellt werden soll, gelegentliches Übersetzen von Texten, Unterstützung der Administration bei der Verwaltung der Projekte, der Umstrukturierung des Büros, sowie anderer Dinge, die sich rund um das Thema Büro-Arbeit am Computer drehen. M$ Outlook, Powerpoint, Excel und Word gehörten zum Alltag. Mein Kollege kümmerte sich vorwiegend um IT-Probleme, da er hinsichtlich Computer versierter ist.
Meine persönlichen Highlights waren die Präsentationen und die Mitwirkung auf den Seminaren, die einmal in Südafrika, die in der Nähe des Krüger-Parks in White River stattfanden, sowie auch in Maputo. Kollegen aus Angola, Simbabwe und Südafrika, die man sonst nur über E-Mail-, skype- und Telefon-Gespräche kannte, sah man dort zum ersten Mal zu Gesicht. Die Besuche bei den Partner-Projekten, die gelegentlich stattfanden, rundeten dann das ab, was man von der Koordinierung im Büro bereits auf dem Papier kannte. Man bekam insgesamt einen sehr guten Eindruck davon, wie eine NGO funktioniert hinsichtlich Logistik, Planung und Finanzen.
In dieser Zeit in der ich hier war, war ich einen guten Monat in Johannesburg in einem Kinderheim, habe dort gelebt und gearbeitet (natürlich auch als Voluntär) und habe geholfen, wo ich konnte. Teilweise auch im Büro direkt bei tdh, aber größtenteils im Kinderheim, wo ich z.B. morgens die Jungs aufweckte, beim Frühstück zubereiten half, später Brot backte und nachmittags bei der Essensausgabe für meist Obdachlose half ihnen mit den Kollegen Essen auszuschenken. Am Nachmittag konnte ich manchen der Jungs bei den Hausaufgaben helfen oder versuchte die Computer wieder fit zu kriegen. (5) „Was bringt Dir das?“
Da es mittlerweile keinen Wehr- oder Zivildienst mehr gibt, ich jedoch trotzdem vorweisen muss, dass ich diesen Dienst als einer der Wenigen in der letzten Generation geleistet habe, würde ich diese Zeit auch als Praktikum bezeichnen. Ein Praktikum fernab von zu Hause, größtenteils auf mich alleine gestellt. Was ich in dieser Zeit hier alles mitgenommen habe, habe ich bislang in vollem Maße glaube ich noch gar nicht realisiert. Zusätzlich zu den verbesserten Englisch-Kenntnissen ist auch noch eine weitere Sprache hinzugekommen, nämlich das Portugiesische. Anfangs dachte ich, es würde mir leichter fallen, die Sprache zu erlernen, doch ich belegte letztendlich noch einen Sprachkurs, der mir unwahrscheinlich geholfen hat. Mittlerweile würde ich meine Portugiesisch-Kenntnisse nicht mit meinen Englisch-Kenntnissen vergleichen, sondern von mir behaupten, dass es meine zweit-beste Fremdsprache ist, die ich mehr oder weniger beherrsche.
Maputo, Av. Patrice Lumumba
Es hat mir gezeigt, dass das Vorurteil des Armen Afrikas ohne Chancen und ohne Perspektive absolut nicht der Wahrheit entspricht. Mosambik oder auch Südafrika stehen einer blühenden Zukunft bevor, so wahr die Bevölkerung an den Gewinnen des Staates beteiligt wird, die Korruption zurückgeht und man sich von den BRIC-Staaten wie Brasilien und insbesondere China, aber auch den USA oder anderen Staaten, die Profit aus den Ressourcen dieser Staaten schlagen wollen, nicht zu sehr abhängig macht und jeden Vertrag unterschreibt, der einem in die Finger fällt. Das ist ein weiteres Problem Mosambiks, nämlich die Privatisierung der Minen im Norden an brasilianische Montanunternehmen, dem Verkauf des Holzes an China aus den Wäldern oder den unbegrenzten Rechten bzgl. Fischerei vor der Küste an z.B. russische Unternehmen, die die Meere leerfischen.
Es hat mir auch gezeigt, dass ich mich mit meiner Situation glücklich schätzen kann in Europa. Aus irgendeinem Grund wurde ich in einer der reichsten Ländern der Welt geboren und muss nicht auf einer Müllkippe nach Aluminium suchen, das man noch verkaufen könnte, um sein Abendessen zu bezahlen. Man schätzt Dinge mehr wert, denke ich.
Wahrscheinlich werde ich noch einen anderen Artikel schreiben müssen, um meine Eindrücke in Deutschland zu schildern, um den Kontrast nochmal zu dokumentieren. Mit was ich aber definitiv rechnen muss ist der deutsche, ekelhafte Pessimismus und das mürrische „Morg’n“, das den meisten kaum über die Lippen geht. Was ich daran aber an der deutschen Mentalität sehr schätze ist die Ehrlichkeit. Daran ist nicht viel gekünstelt, es ist kein übertriebenes Wie-geht’s-Dir-Gesülze, das hier teilweise sehr heuchlerisch wirkt, aber auch seine Vor- und Nachteile hat.
Werde hier noch eine Bilder-Galerie reinsetzen, aber dieser Artikel wird vorerst der letzte aus Mosambik sein, jedoch in ein paar Wochen nochmal ergänzt bzgl. letzter Eindrücke … Fortsetzung folgt!
Projektbesuche Ende April mit der Partnerorganisation terre des hommes namens REDE Came in Ressano Garcia/Lebombo (Grenze zu Südafrika), Namaacha (Grenze zu Swasiland) und Boane (ebenfalls grenznah zu Swasiland), um über Menschen- und insbesondere Kinderhandel aufzuklären.
Grobe Übersicht der Orte, die ich in den vergangenen Monaten besucht habe, aus der Bildergalerie darunter (A/C/E = Maputo; B=Durban; D=Catembe; E=Inhaca):